Ortsvorsteher mit Leib und Seele

Wechsel an der Spitze des Ortsbeirats in vier Fuldaer Stadtteilen

FULDA (jo). Insgesamt 80 Jahre Erfahrung als Ortsvorsteher – diese geballte Ladung an kommunalpolitischer Kompetenz stand im Mittelpunkt einer Ehrungsfeier der Stadt Fulda im Grünen Zimmer des Stadtschlosses. OB Dr. Heiko Wingenfeld verabschiedete vier langjährige Ortsvorsteher aus den Stadtteilen Rodges, Dietershan, Kohlhaus und Lüdermünd und händigte deren Nachfolgern die Ernennungsurkunden aus.

Der Oberbürgermeister sprach seine Hochachtung vor der Leistung der scheidenden Ortsvorsteher aus, schließlich seien sie oft die allerersten Adressaten für die Sorgen und Beschwerden der Bürgerinnen und Bürger aus den Stadtteilen – „manchmal sogar noch mit Anrufen mitten in der Nacht“. Der OB erinnerte in diesem Zusammenhang an die Corona-Pandemie, als die Ortsvorsteher besonders stark gefordert waren. Sein besonderer Dank galt auch den Ehefrauen der Ortsvorsteher und den Familienmitgliedern: „Sie haben in all den Jahren oft zurückstecken müssen. Jetzt gibt es vielleicht mehr wieder mehr Zeit für gemeinsame Aktivitäten.“

Seit 25 Jahren war Reinhard Kremser als Ortsvorsteher von Kohlhaus im Amt. OB Wingenfeld würdigte aber nicht nur das kommunalpolitische Engagment: So gilt Kremser, der beruflich mehr als dreieinhalb Jahrzehnte lang als Lehrer in Petersberg tätig war, als unermüdlicher Motor des SV Kohlhaus – gut 30 Jahre als aktiver Fußballer und nun schon seit 35 Jahren als Vorsitzender des Vereins.
Kremsers Nachfolger im Amt des Ortsvorstehers ist Dipl.-Ing. Hans Reinhard. Er war bereits eine Wahlperiode lang stellvertretender Ortsvorsteher und gehört dem Ortsbeirat seit 2016 an. Der in Hauneck-Fischbach geborene Reinhard wohnt seit 1993 in Kohlhaus. Beruflich war er nach dem Studium der Elektrotechnik in Dieburg viele Jahre als Beamter der Post/Telekom tätig. Seit 2022 ist er im Ruhestand. Mitglied ist er auch bei der Freiwilligen Feuerwehr Kohlhaus und beim FFCK sowie seit 30 Jahren auch im Kirchenvorstand der evangelischen Kirchengemeinde Bronnzell-Eichenzell.

20 Jahre an der Spitze des Ortsbeirats Lüdermünd stand Thomas Schmitt. Der gelernte Landwirt und Agrartechnik-Meister machte sich 1993 mit einer Baumaschinen-Firma selbstständig und sei ein Beispiel für „vorbildhaftes unternehmerisches und ehrenamtliches Engagement“, so der OB. In seine Amtszeit als Ortsvorsteher fiel nicht nur der Um- und Ausbau des Feuerwehrhauses, sondern auch der Sieg Lüdermünds beim Regionalentscheid des Wettbewerbs „Unser Dorf hat Zukunft“. 2012 belegte Lüdermünd sogar Platz 3 in der hessenweiten Auswertung. Im Amt des Ortsvorstehers beerbt hat ihn nun Heiko Kramm. Der gelernte Tischler ist seit 2020 als hauptamtlicher Feuerwehrmann bei der Stadt Fulda beschäftigt. Bereits seit 1999 ist er Mitglied der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Lüdermünd und seit zehn Jahren auch Wehrführer. Der OB wünschte ihm – wie auch allen anderen neuen Ortsvorstehern – eine glückliche Hand und eine gute Resilienz bei der Arbeit vor Ort. Ortsbeiratsmitglied ist Kramm bereits seit 2006, in der vergangenen Wahlperiode konnte er schon Erfahrungen als stellvertretender Ortsvorsteher sammeln.

Nach 15 Jahren gab es auch in Dietershan einen Wechsel: Haiko Fillauer gab den Staffelstab weiter. Er hatte seit 2006 dem Ortsbeirat angehört, seit 2011 als Ortsvorsteher. Der im Gartenbau aktive Unternehmer ist in seiner Freizeit auch in mehreren Dietershaner Vereinen aktiv, zudem ist er als aktiver Jäger auch im Vorstand der Jagdgenossenschaft Dietershan-Bernhards sowie im Rotwild-Hegering Gieseler Forst engagiert. Sein Nachfolger ist Frederik Gleis – mit 46 Jahren der jüngste aus der Riege der neuen Ortsvorsteher. Er bringt als gelernter Energieelektroniker und Staatlich geprüfter Techniker im Bereich Elektrotechnik laut OB Wingenfeld beste Vorausetzungen für das neue Amt mit: „Technische Kenntnisse, gepaart mit handwerklichem Geschick – das ist ein ideales Rüstzeug für einen Ortsvorsteher“, sagte der OB mit einem Augenzwinkern.

Mit gerade einmal 30 Jahren übernahm Timo Diegelmann im Jahr 2006 als Ortsvorsteher von Rodges Verantwortung, jetzt gibt es das Amt wieder ab, bleibt aber Mitglied im Ortsbeirat. Beruflich ist er als Verkaufsleiter bei der Fima Wemag hoch engagiert. OB Wingenfeld gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass Diegelmann auch sein ehrenamtliches Engagement im Bürgerverein sowie seine Hobbies weiter pflegen werde. Seit Kurzem neu im Amt ist Thomas Schwarz. Auch er startete seine Berufskarriere als Kommunikations-Elektroniker bei der Telekom, sattelte dann aber auf den Beruf des Altenpflegers um. Inzwischen ist der in vielen Vereinen aktive Schwarz seit mehr als zehn Jahren als Teamleiter einer Wohngruppe bei Antonius tätig. Dort hat er untere anderem eine Qualifikation als Deeskalationstrainer – „eine Fähigkeit, die auch für einen Ortsvorsteher von großem Nutzen sein kann“, wie der OB mit einem Schmunzeln anmerkte.