Nachkommen von Stefanie Angelstein übergaben Bilder an die Stadt Fulda / Einzigartige Dokumente
FULDA (jo). Sie war eine Fuldaerin wie aus dem Bilderbuch: Stefanie Angelstein (1921-2018) lebte und wirkte fast ein Jahrhundert lang in ihrem Geburtshaus am Severiberg – und mit ihrem Hobby, der Fotografie, war sie stadtbekannt. Wo auch immer etwas abgerissen, neugebaut oder renoviert wurde, war sie mit ihrer Kamera zur Stelle und dokumentierte, was sich in ihrer geliebten Heimatstadt veränderte. Jetzt übergaben die Nachkommen den Bilder-Schatz ihrer Mutter an das Stadtarchiv Fulda.
In 19 großen Leitz-Ordnern hat Stefanie Angelstein akribisch zusammengetragen, was sie mit der Kamera eingefangen hat: Akkurat nach Quartieren und Straßenzügen sortiert, finden sich seltene Dokumente von Abriss und Neubau, viele Bauwerke, die in der Modernisierungs-Euphorie der 1960er und 1970er Jahre und auch noch in späteren Jahrzehnten der Spitzhacke zum Opfer fielen, sind hier zu finden – oft wird in den Ordnern alt und neu gegenübergestellt, das Geschehen handschriftlich datiert und kommentiert.
Dr. Thomas Heiler, scheidender Leiter des Kulturamts und des Stadtarchivs, zeigte sich begeistert von diesen zum Teil einzigartigen Fotos, die oft auch die Bauphase oder Zwischenschritte einer Veränderung festhalten, die in anderen Archiven und Fotosammlungen nicht dokumentiert sind.

Foto: privat

„Unsere Mutter war einfach an allem interessiert, was in Fulda passierte und hat die Schauplätze bei ihren Gängen durch die Stadt gleich mit der Kamera aufgenommen. In späteren Jahren hat sie sich manchmal auch mit dem Auto fahren lassen“, erzählten Renate Kern und Hubert Angelstein bei der Übergabe der Leitz-Ordner mit Bildern und Negativen an das Archiv. Hier sollen die Seiten nun digitalisiert und so für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.
Stefanie Angelstein (geb. Fleischer) wurde am 12. Januar 1921 als Tochter des Schuhmachermeisters Johannes Fleischer am Severiberg geboren. Sie arbeitete im erlernten Beruf als kaufmännische Angestellte beim Autohaus Kahrmann (damals in der Kurfürstenstraße) sowie bei der Molkereigenossenschaft Fulda-Lauterbach in der Dalbergstraße. Schon als Schülerin entstand die Leidenschaft für die Fotografie – ausgelöst durch eine erste Agfa, mit der allerdings nur Aufnahmen bei Tageslicht möglich waren.

1949 heiratete sie den aus Bad Orb stammenden Schlosser Heinrich Angelstein. Das Paar hatte sieben Kinder, der älteste Sohn war der bekannte Journalist und Medienunternehmer Martin Angelstein (1951-2019). Die Großfamilie zählte schließlich 17 Enkel- und 11 Urenkelkinder. Auch nach dem Tod ihres Mannes blieb Stefanie Angelstein immer dem Elternhaus am Severiberg treu. Sie verbrachte dort 96 Lebensjahre, erst dann zog ins Josefsheim um. Noch im hohen Alter war sie wach und immer am Zeitgeschehen interessiert und gab als Zeitzeugin ihre Erfahrungen auch an Schulklassen weiter.
Am 6. Juli 2018 starb Stefanie Angelstein im Alter von 97 Jahren.

